Hilfe für Angehörige
Was Sie gegen die Erschöpfung tun können
Wer eine:n Parkinson-Erkrankte:n pflegt, leistet oft Übermenschliches. Umso wichtiger ist es, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren. Vier konkrete Tipps für den Alltag
Von Anfang an Pausen nehmen
Pflegende Angehörige geraten oft schleichend in eine Erschöpfung. Wichtig ist gegenzusteuern, bevor die Akkus komplett leer sind. Planen Sie von Anfang an feste Pausen und Entspannungszeiten für sich selbst ein. Das können einfach nur die Tasse Tee und ein gutes Buch sein. Auch jede Art von Bewegung, die Freude macht, baut Stress ab und sorgt für einen gesunden Ausgleich.
Entspannen lernen.
Helfen können zudem gezielte Atem – oder Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Meditation oder Progressive Muskelentspannung. Kurse bieten zum Beispiel Volkshochschulen und Krankenkassen an.
Selbsttest:
Um herauszufinden, wie hoch die eigene Belastung ist, können Sie einen – vom digitalen Demenzregister für Bayern angebotenen, von Wissenschaftlern der Universitätsklinik Erlangen für Angehörige von Demenzerkrankten entwickelten – anonymen Selbsttest machen: https://digidem-bayern.de/angehoerigenampel.
Den Alltag strukturieren
Mit der Diagnose Parkinson wird der Alltag immer unvorhersehbarer. Ein paar verlässlich wiederkehrende Fixpunkte im Tagesablauf tun gut, denn sie geben Struktur und Sicherheit und wirken damit beruhigend und stressreduzierend.
Rituale pflegen.
Ein fester Anker kann der gemeinsame Kaffee am Morgen sein, das Anschauen von Fotoalben zu einer bestimmten Uhrzeit oder das Anhören von alten Lieblingsliedern als Abendritual. Auch feste Zeiten für gemeinsame Mahlzeiten schaffen Momente von Normalität. Für den Pflegenden sind Rituale auch zur Selbstfürsorge wichtig – der fest eingeplante Spaziergang am Nachmittag etwa oder das sonntägliche Telefonat mit Freunden.
Mit anderen austauschen
Angehörige haben das Recht auf persönliche kostenlose Beratung, auch mehrmals. Angeboten wird diese evtl. in Ihrer Nähe von Pflegeberatungsstellen, Kontakt- und Informationsstellen, örtlichen Selbsthilfegruppen oder den Pflegestützpunkten der Bundesländer.
Gleichgesinnte treffen.
Hilfreich ist für viele auch ein Austausch mit anderen Angehörigen von Demenzkranken, die gerade ähnliche Erfahrungen machen. In Selbsthilfegruppen oder Online-Foren findet man neben Verständnis und emotionaler Unterstützung auch praktische Tipps, die im Alltag nützlich sein können.
Kontakt:
Beratungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie unter https://zap.de/beratung-pflege, Selbsthilfegruppen unter https://nakos.de/adressen/datenbanksuche.
Freiräume schaffen
Um psychisch stabil zu bleiben, ist es wichtig, Zeit für Ausgleich zu haben für Pflegende ist das aber keine Selbstverständlichkeit. Ein Familienrat kann hilfreich sein, bei dem Verantwortung und Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden, damit diese nicht nur auf einer Person lasten.
Angebote nutzen.
Parkinson ist (noch) nicht heilbar. Es gibt jedoch für Parkinson-Erkrankte ein breites Angebot an unterstützenden symptomatischen Therapien auf Kassenleistung, die die Beweglichkeit und Alltagsfähigkeiten, Balance, Sprechen, Schlucken etc. pp. trainieren, wie etwa Logopädie, Ergotherapie oder Krankengymnastik. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, welche Therapien übernommen werden. Diese Therapiezeiten tun nicht nur dem Erkrankten oft sehr gut, sondern auch den Angehörigen. Sie gewinnen eine Auszeit für eigene Unternehmungen wie beispielsweise einen Museumsbesuch oder einen Stadtbummel.
Hilfe per Telefon
Das ?? bietet auch Angehörigen bundesweit kostenlose Beratung: ??. Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr, freitags von 9 bis 15 Uhr.
Text erstellt auf Basis einer Vorlage aus test 9/2024, Zeitschrift der Stiftung Warentest